Ein kürzlich erschienener Artikel des hoch geschätzten Felix Pappe fasst das ursprüngliche Konzept der 7 Gesetze der Information von Moody & Walsh hervorragend zusammen:
Information unterscheidet sich von jeder anderen Ressource, die die Menschheit je gekannt hat: Man kann sie weitergeben und besitzt sie dennoch weiterhin. Man kann sie endlos nutzen, ohne dass sie sich abnutzt. Und doch hängt ihr Wert ausschließlich davon ab, wie, wann und warum man sie verwendet.
Im Gegensatz zu traditionellen physischen Ressourcen ist Information (zumindest in ihrer reinen Form) ein nicht-rivales und nicht-ausschließbares Gut, was in Wirtschaft, Recht und Gesellschaft besondere Herausforderungen und Chancen mit sich bringt. Die Eigenschaften von Information sind der Schlüssel zum Verständnis des modernen „Informationszeitalters“:
- Nicht-rival: Wie bereits erwähnt, verhindert die Nutzung von Information durch eine Person nicht, dass eine andere Person dieselbe Information gleichzeitig verwendet. Das Teilen einer Idee mindert den Besitz der ursprünglichen Person nicht.
- Dauerhaft und wiederverwendbar: Information „nutzt sich nicht ab“, wenn sie verwendet wird. Eine einmal gefundene mathematische Formel kann unendlich oft angewendet werden, ohne an Gültigkeit oder Aussagekraft zu verlieren.
- Kontextueller Wert: Ihr Wert ist tatsächlich höchst subjektiv und vom Kontext abhängig. Zeitnahe, relevante Information (z. B. ein Börsentipp unmittelbar vor einer Marktbewegung oder eine medizinische Diagnose auf Basis aktueller Forschung) ist von unschätzbarem Wert, während dieselbe Information Jahre später wertlos sein kann.
Im Kern lieferten Moody & Walsh ein fundamentales Rahmenwerk, um die besondere Natur von Information zu erkennen und ihre finanzielle sowie strategische Bedeutung zu messen. Dies hilft Managern, IT-Investitionen zu rechtfertigen und Daten besser zu nutzen.
Es ist faszinierend, heute auf die ursprünglichen Gesetze von Moody & Walsh zu blicken. Sie wurden 1999, zu Beginn des Internetzeitalters, geschrieben und fokussierten sich vor allem auf Information als Ware. In den 25 Jahren seither sind wir in die Ären von Big Data, Social Media und jetzt Generative AI eingetreten. Während wir uns von der reinen „Verwaltung“ von Information hin zum „Leben“ innerhalb von Information entwickelt haben, bin ich der Meinung, dass das ursprüngliche Konzept erweitert werden sollte, um unsere moderne Realität besser widerzuspiegeln.
Zur Vollständigkeit werfen wir zunächst einen kurzen Blick auf die ursprünglichen 7 Informationsgesetze:
- Gesetz 1 – Information ist unendlich teilbar : Sie kann unter mehreren Parteien geteilt werden, ohne dass ihr Wert für den Einzelnen verloren geht.
- Gesetz 2 – Der Wert von Information steigt mit ihrer Nutzung : Information wird umso wertvoller, je mehr sie genutzt und angewendet wird.
- Gesetz 3 – Information ist verderblich : Ihr Wert nimmt im Laufe der Zeit ab; veraltete Information verliert an Relevanz und Nutzen.
- Gesetz 4 – Der Wert von Information steigt mit ihrer Genauigkeit : Genauere Information ist für Entscheidungsfindung und Betrieb wertvoller.
- Gesetz 5 – Der Wert von Information steigt durch Kombination mit anderer Information : Die Integration mit anderen Quellen kann neue Erkenntnisse und größeren Wert schaffen.
- Gesetz 6 – Mehr Information ist nicht zwangsläufig besser : Ein Übermaß an Information kann zu Überlastung führen und die Effektivität verringern; Qualität geht vor Quantität.
- Gesetz 7 – Information ist unerschöpflich : Die Nutzung von Information vermindert nicht ihre Verfügbarkeit; sie kann unbegrenzt wiederverwendet werden.
Ich bin der Meinung, dass wir inzwischen ein oder zwei zusätzliche Gesetze hinzufügen können:
Gesetz 8: Information verändert das System, das sie beobachtet.
In der modernen Welt ist Information keine passive Ressource. In dem Moment, in dem eine Information (wie ein Aktienkurs, ein viraler Trend oder eine politische Umfrage) geteilt wird, verändert sie das Verhalten derjenigen, die sie erhalten – was wiederum auch die Information selbst beeinflusst. Auf Plattformen wie LinkedIn, Facebook oder YouTube spiegeln die angezeigten Informationen das eigene frühere Verhalten wider. Die Algorithmen erzeugen eine ständige Rückkopplungsschleife mit dem Potential Informationen exponentiell mächtiger zu machen: Virale Inhalte können die öffentliche Meinung und sogar politische Entscheidungen beeinflussen, da kollektive Reaktionen weitere Wellen von Information und Handlung auslösen.
Diese Dynamik bedeutet, dass Information sowohl von den Systemen, in denen sie zirkuliert, geformt wird, als auch diese Systeme selbst prägt – jede Interaktion ist Teil eines größeren, sich ständig weiterentwickelnden Kreislaufs.
Gesetz 9: Die Zugänglichkeit von Information bestimmt ihre Macht
Der Wert und die Wirkung von Information hängen direkt davon ab, wer auf sie zugreifen kann und wie einfach dies möglich ist. Auch wenn es sich bei dem Gesetz auf den ersten Blick lediglich um eine Erweiterung von Gesetz 2 (Der Wert von Information steigt mit ihrer Nutzung) handelt, so geht Gesetz 9 doch einen Schritt weiter: Es rückt die Frage in den Mittelpunkt, wer Information nutzen kann und wie leicht der Zugang ist. Nicht jede Information, die theoretisch wertvoll wäre, entfaltet auch tatsächlich Wirkung, entscheidet oft doch erst die Zugänglichkeit darüber, ob und wie Information genutzt werden kann.
Gesetz 9 stellt klar, dass die Zugänglichkeit das Potenzial von Information sowohl verstärken als auch abschwächen kann und ergänzt dadurch direkt das vorgeschlagene Gesetz 8: Im digitalen Zeitalter von Zugangshürden (z. B. Paywalls, digitale Spaltung) und algorithmischen Gatekeepern (z. B. Suchmaschinen-Bias, Filter-Blasen) wird deutlich, dass nicht alle die, die vielleicht Interesse an Informationen hätten, auch die gleichen Chancen haben, relevante Information zu finden oder zu nutzen. Gesetz 9 adressiert diese neue Realität und hebt hervor, dass Zugänglichkeit ein eigenständiger Machtfaktor geworden ist.
Da wir an der Schwelle zu einem Zeitalter stehen, in dem künstliche Intelligenz Inhalte generiert, Algorithmen die Realität kuratieren und Informationsökosysteme das menschliche Verhalten in Echtzeit beeinflussen, stellen die vorgeschlagenen Gesetze 8 und 9 nicht nur Ergänzungen eines theoretischen Rahmenwerks dar, sondern wesentliche Aktualisierungen, um uns in einer informationsgesättigten Welt zurechtzufinden.
Moody und Walshs ursprüngliches Rahmenwerk erfordert diese Erweiterung, um ein neues Paradigma für das Informationsmanagement zu beschreiben: eines, das Information nicht mehr als etwas betrachtet, das wir besitzen und einsetzen, sondern als etwas, in dem wir leben und das wir mitgestalten. Je weiter wir in das Zeitalter generativer KI und algorithmischer Vermittlung vordringen, desto wichtiger wird es, diese Dynamiken nicht nur akademisch, sondern auch ganz praktisch zu verstehen.
Heute sind die Grenzen zwischen Informationsschöpfer, -kuratierer und -konsument praktisch nicht mehr zu erkennen. In dieser neuen Landschaft bieten diese neun Gesetze nicht nur ein Rahmenwerk zum Verständnis von Information, sondern auch einen Kompass für die Navigation im komplexen Ökosystem, das wir geschaffen haben – und das uns weiterhin prägt.
Die Frage ist längst nicht mehr nur, wie wir Information managen, sondern wie wir klug in ihr leben.